30.12.2012

FÜR MARGOT

Die Lutherbotschafterin Margot Käßmann, die man quasi analog zum schwarzen Papst der Jesuiten als grüne Ratsvorsitzende der EKD bezeichnen könnte, hat sich ja jüngst wieder mit der wenig sachkundigen Forderung hervorgetan, der Papst solle, möglichst pünktlich zum Reformationsjubiläum 2017, dem Martin aus Eisleben seine Exkommunikation aufheben. Überhaupt macht man derzeit so allerlei Gewese ums Jubiläum: Es gibt kleine Lutherstatuen für die evangelischen Gemeinden, der Reformationstag 2017 soll zum gesamtdeutschen Feiertag erhoben werden, ein neuer Lutherbaum wurde gepflanzt und, man höre und staune, ein Luther-Wallfahrtsweg soll angelegt werden.

Wer nun aber meint, die ganze Aufregung sei neu, der irrt. Schon immer wurden die Reformationsjubiläen instrumentalisiert. Luther war wahlweise Apostel der Aufklärung, Wegbereiter der Reichsidee, deutschnationaler Kronzeuge wider die bösen Juden oder, wie eben heute, Bringer individueller Freiheiten und Urvater des demokratischen Pluralismus. Was Luther selbst davon hält, werden wir wohl erst erfahren, wenn er in Rom erscheint, um die Aufhebung seiner Exkommunikation entgegen zu nehmen. Kleiner Scherz. Aber neben den zahlreichen Instrumentalisierern aus den verschiedensten politischen Lagern und theologischen Schulen gab es natürlich auch immer schon diejenigen, die das ganze Theater durchschaut haben. Die Worte, die Dietrich Bonhoeffer 1932 in seiner Predigt zum Reformationstag fand, sollte sich auch die gegenwärtige Lutherbotschafterin Margot Käßmann an den Badezimmerspiegel heften: 

"Nein, wir haben keine Zeit mehr zu solchen feierlichen Kirchenfesten, in denen wir uns vor uns selbst darstellen, wir wollen nicht mehr so Reformation feiern! Laßt dem toten Luther endlich seine Ruhe und hört das Evangelium, lest seine Bibel, hört das Wort Gottes selbst. Gott wird uns am Jüngsten Tage gewiß nicht fragen: Habt ihr repräsentative Reformationsfeste gefeiert?, sondern: Habt ihr mein Wort gehört und bewahrt? Lassen wir es uns darum sagen: Aber ich habe wider dich, daß du die erste Liebe lässest."

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