13.01.2013

IN CHRISTUS - ABER WIE?

Der Apostel Paulus lässt uns im Römerbrief wissen, dass es „keine Verdammnis für die [gibt], die in Christus Jesus sind.“ (Röm 8,1 LUT) Und auch Papst Benedikt XVI. lehrt in seiner 13. Katechese über den hl. Paulus: „Gerecht sein will einfach heißen, mit und in Christus sein. Und das ist ausreichend. Die Beachtung anderer Regeln ist nicht mehr notwendig.“ Wichtiger noch als Apostel und Papst ist natürlich Jesus selbst, der laut Johannesevangelium von sich sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt.“ (Joh 15,5.6a)

Angesichts dieser Zeugnisse dürfte klar sein, dass die Frage nach dem In-Christus-Sein eine der wichtigsten und zentralsten Fragen ist, die sich ein Christ, ja ein Mensch diesseits der Ewigkeit stellen kann. Bin ich in Christus? Was heißt das eigentlich, in Christus sein? Und wie macht man das?

Das Neue Testament kennt folgende Wege zur Einheit mit Christus: 

1. Glaube: Jesus selbst ruft die Menschen schon zu Beginn seines Wirkens zur Umkehr und zum  Glauben auf (vgl. Mk 1,5) – und seine Apostel tun es ihm gleich: „Glaube an Jesus, den Herrn und du wirst gerettet werden, du und dein Haus.“ (Apg 16,31) Und die Galater lässt der selbe Apostel wissen: Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus.“ (Gal 3,26) 

2. Zugehörigkeit zur Kirche: Christus „ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche.“ (Kol 1,18) Wer zur Kirche gehört ist somit Glied am und im mystischen Leib Christi, denn „wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft“ (1 Kor 12,13). Und „wenn einer die Kirche verlässt, wie ist der in Christus, der nicht unter den Gliedern Christi ist? Wie ist der in Christus, der nicht am Leibe Christi ist?“ (Augustinus)

3. Sakramente: Die Sakramente konstituieren und stärken einerseits unsere Gliedschaft am Leibe Christi: Durch die Taufe werden wir von der Sünde befreit und als Söhne Gottes wiedergeboren; wir werden Glieder Christi, in die Kirche eingefügt und an ihrer Sendung beteiligt.“ (KKK 1213) Gleiches gilt von der Eucharistie: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“ (1 Kor 10,17) Andererseits verbinden uns die Sakramente aber auch direkt mit Christus: Mit der Taufe werden wir hinein getauft in den Tod und die Auferstehung Christi (vgl. Röm 6,3 f.) und auch die Eucharistie erhält uns in Christus: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ (Joh 6,56)

4. Nachfolge und Liebe: Jesus selbst sagt: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14,27) Und Johannes erinnert uns in seinem ersten Brief:Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben.“

Was nun in der Folge auffällt, ist die unterschiedliche Bedeutung, die diesen Punkte in den verschiedenen Konfessionen zukommt: Während der evangelische Christ im rechtfertigenden Fiduzialglauben das vorrangige Instrument seines In-Christus-Seins sieht, ist „die katholische Alternative zu dem evangelischen sola fide … das esse et vivere in et cum Ecclesia Christi [das Sein und Leben in und mit der Kirche Christi (T.C.)].“ (Werner Löser SJ)

Es geht dabei natürlich nicht darum, dass sich von dem jeweils Anderen im je Eigenen nichts findet. Natürlich hat auch der Evangelische Gemeinde; und natürlich glaubt auch der Katholik. Es geht vielmehr um Stellenwerte, um (empfundene) Über- und Unterbetonungen. Fragt sich denn nicht der evangelische Christ, warum ihm seine katholischen Geschwister so viel und so emphatisch von der Kirche reden? Fragt er sich nicht zuweilen mit Barth, wo denn im Katholischen die Distanz zwischen Christus und seiner Kirche bleibe? Und der Katholik, verwundert er sich nicht darüber, was die Evangelischen alles dem persönliche Glauben zuschreiben? Muss ihm die Rede von (Universal-)Kirche und Sakramenten im evangelischen Bereich nicht letztlich doch merkwürdig sekundär und unterrepräsentiert vorkommen?

In dieser unterschiedlichen Akzentuierung liegt der eigentliche Unterschied, der in der Folge dann auch die jeweilige konfessionelle Frömmigkeit und Atmosphäre prägt. Das muss bei allen ökumenischen Unternehmungen und Vorstößen mit bedacht werden. Vor allem aber darf nicht vergessen werden, dass es beiden Seiten, der evangelischen wie der katholischen, letztlich nur um eines geht: in Christus zu sein.  

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen