18.01.2013

KATHOLIKEN UND EVANGELIKALE IN DEN MEDIEN

Für alle die es noch nicht bemerkt haben: Wir leben in einer boulevardesken Schlagwortkultur. In den großen Fernsehredaktionen und den alt-ehrwürdigen Verlagshäusern redet man zwar noch gern mit Pathos vom investigativen Journalismus, von knallharter Recherche und journalistischem Ethos, doch handelt es sich dabei wohl eher um die Selbstbeweihräucherungsrhetorik eines Berufsstandes, der sich in Zeiten von Twitter und Facebook selbst in der Krise weiß. Denn tatsächlich ist die so genannte Fünfte Gewalt (die selbst keiner Gewaltenkontrolle unterliegt) mit ihren suggestiven Schlagzeilen und Anmoderationen längst aufgesprungen auf den Zug der reißerischen und verkürzenden Tweets und Textmessages.

Doch mehr als das: Anstatt dem Bildungs- und Informationsauftrag nachzukommen, scheint man sich in so mancher Redaktion darauf verlegt zu haben, die geneigte Leser- bzw. Zuschauerschaft abzurichten wie pavlovsche Hunde (oder Schafe, wenn man so will). Indem man gewisse Begriffe beständig in einen gewissen Kontext stellt, schafft man Reizworte, die im Leserhirn schon bei bloßer Nennung die gewünschte Reaktion auslösen. Dass inzwischen so mancher Zeitgenosse meint, Kindesmissbrauch sei ein rein katholisches Problem, ist kein Zufall; und auch die weitverbreitete Vorstellung, das erklärte Fernziel der Evangelikalen bestünde in der Machtübernahme und der Errichtung eines autokratischen Gottesstaates, verdankt sich der bundesdeutschen Berichterstattung.

Überhaupt sind es auffällig oft konservative katholische und evangelikale Christen, die in den Medien ihr Fett weg kriegen. So mancher Schreiberling scheint dabei von der hehren Idee beseelt zu sein, Fortschritt, Demokratie und Aufklärung einen Dienst zu erweisen, wenn er die gefühlt Mittelalterlichen, ihre ihm verquer erscheinende Sexualmoral und ihr missionarisches Sendungsbewusstsein in einem beständig schlechten Licht erscheinen lässt. Der Zweck heiligt dann oft die Mittel - und die Mittel steigern die Auflage: Während es die evangelischen Protestanten mit ihrer Grundgesetzfrömmigkeit und ihrer grünen Anpassungsethik nur selten in die Schlagzeilen schaffen, jagt man den Lesern mit Geschichten von vermeintlichen Katholiban und evangelikalen Gotteskriegern des Öfteren wohlig-gruselige Bestätigungsschauer über den Rücken.

Umso wichtiger erscheint es, dass besagte Gruppen, Katholiken und Evangelikale, enger zusammenrücken und sich nicht erleichtert bis schadenfroh zeigen, wenn gerade die jeweils 'andere' Seite am medialen Pranger steht. Der Neutestamentler Klaus Berger hat Recht, wenn er sagt, dass der Graben längst nicht mehr primär entlang der konfessionellen Grenzen verläuft, sondern vielmehr zwischen denen, die noch christlich glauben und denen, die es nicht mehr wirklich tun. Soll heißen: Der traditionelle Katholik steht dem bibeltreuen Evangelikalen oft näher als dem Gremiums-Aktivisten in der eigenen Kirche. Und umgekehrt dürfte der Durchschnitts-Evangelikale mehr mit Papst Benedikt gemein haben als mit Katrin Göring-Eckhardt. 

Vor diesem Hintergrund freut es mich immer, Meldungen wie die folgenden zu entdecken. Die evangelikale Nachrichtenagentur Idea berichtet unter dem Titel "Evangelikale ehren katholischen Bestsellerautor Lütz"

Wenn wir Jesus Christus als Zentrum des christlichen Glaubens haben, werden konfessionelle Unterschiede unwichtig. Davon ist der katholische Theologe, Mediziner und Bestsellerautor Manfred Lütz (Köln) überzeugt. Christus sei das Wesentliche überhaupt. Weil das viele evangelikale Christen begriffen, hätten sie innerhalb der Ökumene auch den größten Schritt im Miteinander mit katholischen Christen getan. Er selbst fühle sich von Evangelikalen oft mehr verstanden als von Besuchern von Katholikentagen

Und auch auf der Internetseite der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD) hieß es vor einiger Zeit:          

Papst Benedikt XVI. und evangelikale Christen stimmen in der entscheidenden Frage überein: Beide sind der Auffassung, dass das Herz des christlichen Glaubens die Beziehung zu Jesus Christus ist. Das sagte der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), auf der ersten gemeinsamen Theologischen Studienkonferenz des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT) und der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten (KBA). Das Treffen mit rund 110 Teilnehmern fand vom 17. bis 19. November im thüringischen Bad Blankenburg statt. Nach Ansicht Schirrmachers vollzieht sich derzeit eine „Evangelikalisierung der katholischen Kirche“. Dort seien zwar Traditionalismus und liberale Theologie weiterhin stark, jedoch nähmen die missionarischen Bemühungen Roms zu.

Hoffen und beten wir, dass es - den theologischen Unterschieden zum Trotz - auf diesem Weg des Respekts und der Anerkennung in Zukunft weiter gehen wird. Wir liegen schließlich schon jetzt weitestgehend in den selben Schützengräben. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen