02.01.2013

SCHÖPFUNGSGLAUBE UND ANFECHTUNG

„Im Anfang war das Wort“ (Joh 1,1). Dieser Vers, im rechten Licht betrachtet, ist ein Fels. Er ist der archimedische Punkt des heutigen Christen, der, in seinem Schöpfungsglauben bedrängt von allerlei Weltweisheit, sich sonst zu flüchten hätte, entweder in vorschnelle Akkommodation und Preisgabe seiner Überlieferung oder in die Trutzburgen fideistischer Fundamentalismen. In beiden Fällen stünde er auf verlorenem Posten. Am Ende unterliegen sowohl die Appeaser als auch die Verteidiger Alamos ihren Feinden.

Gestehen wir es uns an dieser Stelle ruhig ein: Verglichen mit der Komplexität und Detailfülle der natur- und humanwissen- schaftlichen Erkenntnis und ihrer Nutzbarmachung in der alltäglichen Lebenswirklichkeit muten die israelitischen Schöpfungsmythen (zumindest prima facie) erschreckend naiv und unendlich fern an. Wären wir nicht erfüllt von der Gewissheit, dass in ihnen „Reichtümer unsterblichen Klangs“ aufbewahrt liegen, wir ließen sie ohne weiteres fahren. Woher aber diese Gewissheit? Eben von da-her: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“ Sofern wir von Gott und seinem Christus Ergriffene sind, ist hier unser Ruhekissen im Sturm; sofern der Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, es auch in unseren Herzen hat licht und hell werden lassen (vgl. 2 Kor 4,6), ist er hier gegeben, der Punkt, von dem aus wir die Welt aus den Angeln heben können. Denn: Nicht weil wir Schöpfungsgläubige sind, sind wir Christen, sondern weil wir als Christusgläubige den bekennen, der „in principio“ schon da war, glauben wir Schöpfung! Es „bricht also nicht aus unserer Nacht nach und nach das Licht hervor, vielmehr räumt das präexistente Licht geduldig und unfehlbar unsere Dunkelheit aus“ (Teilhard de Chardin). So fragil und bekümmert unser Schöpfungsglaube angesichts der anfragenden Fülle der Weltweisheit sein mag, vergessen wir nie, dass das zarte Pflänzchen die tiefsten Wurzeln hat, die man nur haben kann. 

Mit dem verabsolutierten Naturalismus mancher Eliten unserer Tage verhält es sich nun gerade diametral entgegensetzt: Er ist, bei Licht betrachtet, ein weltanschaulicher Koloss auf tönernen Füßen. Denn auch der mit Myriaden von phänomenologischen Einzelbetrachtungen beschäftigte Naturwissenschaftler kann nicht umhin, die Welt, die er da erforscht, als solche erst einmal vorzufinden. Ihre bloße ontologische Gegebenheit verweist ihn dabei zurück, vielleicht nicht direkt auf Gott, aber doch auf die bohrende Frage nach dem Woher des Ganzen, die auch dann noch an ihm nagt, wenn er sich entschließt, sie zu seinem Schutz als sinnlos und müßig abzutun. Die Flucht ins Laboratorium birgt dabei ihre eigenen Gefahren. Denn nicht allein die Gegebenheit der Welt, auch die ihrer Gesetzmäßigkeiten, deren bessere Erforschung ja sein Ziel ist, muss der Forscher hinnehmen. Mehr als das: Seiner eigenen naturwissenschaftlichen Vernunft, derer er sich zu diesem Zweck bedient, wohnt ein platonisches Element inne, das, indem es die wissenschaftliche Fragestellung überhaupt erst konstituiert und ihr die Richtung vorgibt, über sich hinaus verweist, auf eben die Frage, auf die ihm seine eigene Methodik per definitionem keine Antwort geben kann. „Dass man sich im heutigen Betrieb der Einzelwissenschaften dieser apriorischen Vorentscheidung über die Richtung der wissenschaftlichen Arbeit weithin nicht bewusst ist, ist kein Beweis dagegen, sondern nur ein Zeichen dafür, wie selbstverständlich für diese Einzelwissenschaften eine solche apriorische Einstellung ist und wie wenig sich die Einzelwissenschaften der metaphysischen Gründe bewusst sind, auf denen sie ruhen“ (Karl Rahner). Wir haben also, so oder so, keinen Grund, uns zu fürchten. Der Logos steht und bringt die, die ihn leugnen, ins Wanken. 

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