04.02.2013

JAUCHE

In der ARD-Sendung »Günther Jauch« saß man mal wieder über die Kirche und ihre Lehren zu Gericht. Diesmal unter dem gnadenlos unvoreingenommenen Titel „In Gottes Namen – Wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?“ Einer der Gäste, Martin Lohmann, seines Zeichens katholischer Theologe und Journalist, war geladen, um dem auf Krawall gebürsteten Publikum die traditionelle christliche Position darzulegen. Letztere fand beim aufgeklärten Zuschauer naturgemäß nur wenig Anklang, da sie so unermesslich weit weit weg ist von der Lebenswirklichkeit von 80 Millionen geschiedenen und co-homosexuellen Bundesbürgern. Und so wurde Lohmann im Verlauf der Sendung mehrfach ausgelacht. Was den Pranger anbelangt, so ist man in den Medien bereits näher am Mittelalter als die Kirche, der man die geistige Nähe zu selbigem so gerne zum Vorwurf macht. 

Wenn bei Jauch Kirche kritisiert wurde, dann war – na klar – zumeist die katholische Kirche gemeint. Schließlich ist die evangelische Kirche/Bündnis90 als ‚Kirche der Freiheit‘ in allen strittigen Moralfragen – von Abtreibung über Ehescheidung und Stammzellforschung bis hin zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare – bereits vor dem Zeitgeist in die Knie gegangen. Diese Nähe zur Lebenswirklichkeit honorieren die Menschen natürlich auch, und so platzen die evangelischen Gotteshäuser Sonntag für Sonntag aus allen Nähten. Kleiner Scherz meinerseits. Dass Lohmann seine Sache aber nicht nur als Katholik, sondern eigentlich auch aus evangelisch-biblischer Sicht gut gemacht hat, sei hier, für alle die es wissen wollen, einmal gesagt. Denn auch für evangelische Christen lässt sich aus dem 5. Gebot und diversen anderen Stellen (z.B. Jer 1,5) eine unbedingte Pflicht zum Lebensschutz ableiten. Was Ehescheidung und Wiederheirat anbelangt, so ist es Jesus selbst, der diesbezüglich ein klares Verbot ausspricht (vgl. Mt 5,32; Mk 10,9). Und auch die homosexuelle Praxis wird sowohl im Alten als auch im Neuen Testament entschieden abgelehnt (vgl. Lev 18,22; Röm 1,27; 1 Kor 6,9).

Nun kann man natürlich per se sagen: „Von dem ganzen Bibel- und Jesus-Quatsch halt‘ ich nicht viel.“ Dann sollte man aber auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen und anstatt ständig an der Kirche und ihrer Prinzipientreue herumzumäkeln gegebenenfalls den Verein wechseln. Oder vielleicht gleich die Sportart? Diejenigen, die es nach wie vor mit der Kirche und ihrer Lehre halten sind nämlich froh, wenn da wo Jesus drauf steht auch wirklich der biblische Jesus drin ist – und nicht der alles bejahende, feminine Paläo-Hippie, für den ihn so viele Zeitgenossen aus Bequemlichkeitsgründen gerne halten möchten. Und wenn jemand ganz bewusst die Dienste eines katholischen Krankenhauses oder einer katholischen Schule in Anspruch nimmt, dann möchte er da vielleicht auch in Zukunft nicht von aggressiven Atheisten oder zoophilen Zarathustra-Priestern behandelt bzw. unterrichtet werden, sondern von Christen, die ihren Glauben nach Möglichkeit auch noch wirklich leben und bezeugen. Könnte ja sein, oder?  

Aber darum geht es ja nicht wirklich. Der Exodus der Ungläubigen aus der Kirche wird weitergehen und auch die Medien werden weiter ihre anti-kirchlichen Kampagnen fahren. Warum? Nun, das Gerede von der Entfernung von der Lebenswirklichkeit ist so verkehrt nicht. Die Kirche ist in ihrer Lehre oftmals weit weg von den Vorstellungen der Menschen. Jedoch war nicht  sie es, die sich entfernt hat; vielmehr war es das ehemals christliche Abendland, das sich sukzessive von den (nach wie vor gültigen) christlichen Positionen wegbewegt hat. Die Kirche soll diesen Turn nun endlich wohlwollend zur Kenntnis nehmen und die neuen Positionen und Lebensentwürfe nachträglich absegnen. Weil sie das aber nicht tut, gibt’s mediale Klassenkeile. Es ist das alte Spiel: Der Sünder ist erst dann zufrieden, wenn man ihn und sein Verhalten akzeptiert, wenn man aufhört Sünde Sünde zu nennen. Genau das aber ist der Kirche nicht möglich: „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittere süß und das Süße bitter machen“ (Jes 5,20).

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